Interview mit Thomas Schaus (Jahrgang 1964), 10 Stunden, 00 Minuten und 17 Sekunden beim Ironman Frankfurt 2007
Thomas, herzlichen Glückwunsch zu Deiner tollen Zeit beim Ironman
Frankfurt 2007!
Wie gut hast Du Dich seit dem Ironman erholt?
Insgesamt fühle ich mich wieder sehr gut. Die Erholungsphase ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Außer ein paar lockeren Schwimmeinheiten habe ich in den beiden Wochen nach dem Wettkampf nichts gemacht. Inzwischen habe ich aber wieder mit kurzen Läufen über 6 bis 10 km und einiger Radausfahrten mit der aktiven Regeneration begonnen.
In den nächsten Wochen werde ich dann die Umfänge wieder etwas erhöhen, die Intensität bleibt allerdings niedrig.
Wie hast Du Dich nach dem Rennen und den Tagen danach gefühlt?
Die Lust auf kalte Getränke und feste Nahrung überwiegten bei mir. Leider aß ich etwas zu viel. In Kombination mit dem harten Wettkampf dauerte es auch nur eine halbe Stunde bis ich blass wurde und ich nach dem Duschen Kreislaufprobleme bekam. Eine Sitzpause und etwas Cola halfen dann aber recht schnell und ich war nach 30 Minuten wieder einigermaßen beisammen. Zusätzlich verweigerten dann auch die Beine ihren Dienst. Gehen und Treppen steigen fielen mir schwer. Die Belastungen spürte ich dann noch drei Tage danach.
Durch den Sturz mit dem Rad nach ca. 170 km trug ich auch noch eine Hüftprellung davon, die ich beim Laufen noch leicht spüre.
Wie hast Du Dir den Wettkampf eingeteilt?
Eine Woche vor dem Wettkampf habe ich die Strecken besichtigt und abgefahren und auch die Schwimmstrecke getestet. Die Radstrecke unterteilte ich in ca. 10 Teilabschnitte, die Zeiten hielt ich fest und errechnete zu Hause dann die möglichen Durchgangszeiten für das Rennen. Aufgrund vieler Messdaten (Herzfrequenz und Watt-Messung) während des Trainings, ließen sich daraus recht exakte Vorgabezeiten ableiten. Diese Zwischenzeiten notierte ich mir auf dem Oberrohr meines Fahrrades, die im Wettkampf als Orientierung dienten.
Beim Laufen war die Vorgehensweise ähnlich. Die Marathonstrecke teilte ich in vier Abschnitte. Die einzelnen Sektorenzeiten habe ich dann auf die Pulsuhr geklebt.
Aus der Summe der Einzeldisziplinen und Wechselzeiten errechnete ich mir dann das mögliche Endergebnis. Bei mir lag diese Vorgabezeit zwischen 10:00 h und 10:10 h.
Im Rennen verglich ich dann permanent die Zwischenzeiten mit den tatsächlichen Durchgangszeiten. Die Herzfrequenz – von einigen Ausnahmen abgesehen – musste ich dabei immer unter der anaeroben Schwelle halten. Die gleichmäßige Trittfrequenz auf dem Rad war dabei ebenfalls ein wichtiges Kriterium, um effizient die 180 km hinter mich zu bringen.
Wer ständig überzieht und unkontrolliert auf dem Rad fährt, merkt dies spätestens beim abschließenden Lauf oder auch schon früher auf der zweiten Radrunde, was noch schlimmere Auswirkungen auf die Endzeit hat.
Disziplin ist gerade in der ersten Rennhälfte entscheidend. In der zweiten Hälfte kommt es dann auf Willenskraft, Schmerzverträglichkeit und Leidensfähigkeit an.
Was muss ein Triathlet während des Rennes essen und trinken?
Die richtige Nahrungsaufnahme stellt eine Schlüsselfunktion dar. Wer das im Wettkampf nicht regelmäßig und kontrolliert macht, verliert wertvolle Zeit oder geht im schlimmsten Fall gnadenlos ein und wird das Ziel spät oder gar nicht mehr erreichen.
Bei Temperaturen um die 30 C liegt mein Flüssigkeitsverlust bei ca. 1 l/h. Die Aufnahme-fähigkeit beträgt jedoch nur 0,6 l/h. Trinkt man wesentlich mehr als der Körper aufnehmen kann, bleibt einem der Gang in die Büsche nicht erspart. Manche erledigen ihr Bedürfnis aber auch schon mal „ aus der Bewegung heraus“, um nicht zuviel Zeit einzubüßen.
Feste Nahrung sollte ein Triathlet im Rennen ebenfalls vermeiden. Das Verdauungssystem muss entlastet werden. Die Nährstoffe müssen schnell und ohne aufwendigen Verdauungs-prozess aufgenommen werden.
Während des Wettkampfes nehme ich deshalb fast ausschließlich Gels zu mir. Die flüssigen Kohlenhydrate, angereichert mit den wichtigsten Vitalstoffen und Mineralien, verfügen gerade über diese Eigenschaften. Mit ca. 200 ml verdünne ich diese dann im Magen mit Wasser. Den restlichen Flüssigkeitsbedarf decke ich über isotonische Getränke.
Auf was achtest Du im Rennen?
Tempo, Tret- und Herzfrequenz, Streckenbeschaffenheit, enge Kurven, schmale Gassen, Kraft sparende Übersetzungen, regelmäßige Verpflegung, Überholmanöver, Abstand zum Vorder-mann, Zwischenzeiten, Aeroposition, usw., fordern ständige Konzentration. Schwächen in diesem Bereich führen zu Tempoverschleppung oder auch zu Unfällen.
In diesem Jahr hatte ich am Ende der Radstrecke gleich zwei solcher Konzentrations-schwächen. Beim letzten längeren Anstieg führte ein zu frühes Schalten zum Abspringen der Kette und kurz danach fuhr ich während der Aufnahme eines Gels in eine langsam fahrende Mitstreiterin. Ausweichmanöver waren nicht mehr möglich und so knallten wir beide auf den Asphalt.
Beim Laufen achte ich die ersten 30 km auf das Tempo. Auch hier gilt, nicht zu schnell be-ginnen. Danach, wenn der Körper immer müder wird, und die Beine nicht mehr wollen, konzentriere ich mich mehr auf die Lauftechnik und auf eine weniger belastende Schritt-frequenz. Im Kopf verankerte Motivationshilfen werden zum Schluss abgerufen, um das Rudel von inneren Schweinehunden abzuhängen.
Welche Vorteile bietet Triathlon?
Die Vorteile liegen auf der Hand. Durch die drei Disziplinen werden einseitige Belastungen vermieden, das Herzkreislaufsystem gestärkt und die wichtigsten Muskelgruppen trainiert. Der Stoffwechsel wird angeregt und überschüssiges Fett verbraucht. Das allgemeine Wohlbefinden steigt. Des Weiteren können die Trainingszeiten individuell abgestimmt und auch den Witterungsverhältnissen angepasst werden.
Welche Tipps hast Du für den Gesundheitssportler?
Ob ambitioniert oder fitnessorientiert, am Anfang kommt man um eine vernünftige Beratung nicht herum. Die über 35-jährigen sollten zusätzlich auch mit dem Hausarzt die Absichten besprechen. Ein Belastungs-EKG gehört dazu.
Die richtige Ausrüstung fürs Laufen und Radfahren sind Voraussetzung, um Verletzungen vor zu beugen. Den Laufschuh besorgt man sich im Fachgeschäft mit Laufbandanalyse.
Das Fahrrad muss auf die Körpermaße eingestellt werden. Die Sitzposition sollte am Anfang komfortabel eingestellt werden.
Jeder Interessierte sollte 3 – 4 Mal pro Woche trainieren. Schwerpunktmäßig am Wochenende und z.B. Di. und Do.. Dadurch gibt man seinem Körper ausreichend Pausen und erreicht trotzdem schon beachtliche Fortschritte in der Ausdauer- und Leistungsfähigkeit.
Fachliteratur erhält man im Buchhandel. Trainiert wird immer mit Pulsuhr!